Job-Kolumne: Was kann ich eigentlich noch so alles?

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Job-Kolumne. In kress NEWS, von Attila Schubert.

Job-Kolumne - Können im Job - X SIEBEN

Fotoquelle: Pixabay

Immer wieder gibt es Situationen, in denen man beruflich noch mal ganz von vorn anfangen kann

 

Eine überraschend angebotene Führungsposition, ein radikaler Branchenwechsel, die Selbstständigkeit: Mediencoach Attila Albert über die wichtige Suche nach neuen Erfahrungen und Umfeldern.

 

Eine langjährige Chefreporterin erhielt ein unerwartetes Angebot: Die Chance, die Leitung einer Zeitschrift zu übernehmen – ihre erste Führungsposition überhaupt.

Sie hatte sich eher aus einer Laune heraus auf die Anzeige beworben und war, zu ihrer eigenen Verblüffung, zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. In jeder der drei Interviewrunden stellte sie fest, wie fachkundig sie über Heftkonzepte, Produktionsabläufe und Redaktionsstrukturen diskutieren konnte, aber auch, wie viel mehr sie über all das lernen wollte und musste.

Ein Fotochef war nach einer fast 20-jährigen Karriere bei verschiedenen Verlagen zu einem Aufhebungsvertrag gedrängt worden, nachdem sein letztes Magazin in einer Pool-Redaktion aufgegangen war.

Er entschied sich, nun endlich einen Lebenstraum umzusetzen und sich im gastronomischen Bereich selbstständig zu machen. Seine Kollegen belächelten ihn, so sein Eindruck, und Freunde rieten fast durchweg ab („Wer nichts wird, wird Wirt“). Doch es gelang ihm, eine finanziell tragfähige und persönlich beglückende Existenz aufzubauen.

 

Mehr das Leben leben, das zu einem passt

 

Was kann ich eigentlich noch so alles? Diese Frage stellt sich zu ganz unterschiedlichen Gelegenheiten: Ein Job endet, ist langweilig, zu stressig oder anstrengend geworden.

Oder aber: Eine Gelegenheit tut sich auf, mit der man nicht gerechnet hatte und die das bisherige Profil übersteigt oder verändert. Häufig ist das der Fall durch das Angebot eines früheren Vorgesetzten oder Kollegen, manchmal auch durch einen spezialisierten Personalvermittler („Headhunter“) – und eben die mutige Bewerbung einige Etagen höher als sonst.

Wer ausprobiert, was er eigentlich noch so alles kann, tut das, was so gern mit „das eigene Potenzial nutzen“ beschrieben wird: Neue Fähigkeiten und Talente entwickeln, sich in einem neuen Umfeld ausprobieren. Häufig auch:

Mehr das Leben leben, das zu einem passt – das umfasst die eigene Werte ebenso wie, ganz praktisch, die Alltagsgestaltung. Will ich noch jeden Morgen in die Redaktion, passen meine Kunden noch zu mir, will ich näher in der Stadt oder draußen auf dem Land leben? Ein neuer Job bietet die Chance zu all dem.

 

Das belebende Gefühl, sich wieder ausprobieren zu können

 

Freuen Sie sich über diese unerwartete Chance. In einem Lebensalter, in dem vieles Routine geworden ist, stellt sie noch einmal alles in Frage und verspricht gleichzeitig alles.

Genießen Sie das belebende Gefühl, sich wieder ausprobieren zu können und Ihrem Leben noch einmal eine ganz neue Richtung geben zu können. Viele dieser Gefühle sind diejenigen eines jungen Menschen – inklusive der Angst vor der eigenen Courage, vielleicht zu viel versprochen zu haben und von vielen Dingen doch noch ganz wenig zu wissen.

Erkennen Sie, dass Sie noch einmal viel lernen müssen, vielleicht so viel wie zuletzt am Anfang Ihrer Karriere. Fast immer geht es darum, dass Sie „strategischer“ als bisher denken müssen:

Sich Ziele überlegen und sie präzise beschreiben, daraus Pläne ableiten, sie umsetzen, Ihren Kurs prüfen und bei Bedarf anpassen. Dieses Umdenken ist anspruchsvoll: Nicht mehr einfach losarbeiten, wie es beispielsweise der aktuelle Journalismus oft erfordert. Insbesondere für Führungspositionen und eine Selbstständigkeit ist das entscheidend.

 

Gehen Sie davon aus, dass nicht alle begeistert sind

 

Gehen Sie davon aus, dass Ihre Entscheidung, sich zu verändern, auch Ablehnung finden wird. Ihren Chef wird es nerven, dass er Ihre Stelle neu besetzen muss. Ihre Kollegen werden nicht begeistert sein, dass sie Ihre Arbeit übernehmen müssen.

Ihr Partner stellt vielleicht fest, dass die finanzielle Verantwortung neu aufgeteilt werden muss. Oft sind ganz praktische Dinge offen – kannst Du noch die Kinder abholen, brauchst Du jetzt das Auto öfter? Freuen Sie sich also auch, wenn andere es vielleicht (noch) nicht können.

Die Chance, herausfinden zu können, was Sie noch so alles können, ist wertvoll auch noch auf eine andere Weise. Jemand traut Ihnen mehr zu als Sie sich selbst:

Man sieht, wie Sie sich verhalten und auftreten – und glaubt deshalb, dass Sie auch die neuen Aufgaben schaffen werden. Das ist eine Anerkennung, die beim aktuellen Arbeitgeber nicht selten fehlt, wo alles Routine geworden ist. Langfristiger Effekt: Ihr berufliches und persönliches Selbstbewusstsein wächst mit jeder bewältigten Aufgabe, Sie werden stärker.

Zuletzt: Lassen Sie sich nicht zu lange aufhalten. Es ist selten angenehm, eine Stelle zu kündigen – das ist in der Probezeit nicht anders als nach langen Berufsjahren im selben Medienhaus.

Das Gespräch mit dem Vorgesetzten kann unangenehm sein – von emotional bedrückend („Jetzt lassen Sie mich auch noch hängen“) bis bedrohlich („Hier brauchen Sie sich nie wieder sehen zu lassen!“). Bereiten Sie den Abschied professionell vor, bleiben Sie möglichst anständig, sehen Sie einen Wechsel aber als normalen Teil des Berufslebens.

 

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